Auf dieser Webseite möchten wir allen Interessierten ermöglichen von den Entwicklungsprozessen des AI Engineering-Studiengangs zu profitieren. Hierzu gibt es kurze Informationen über die fünf Phasen des Prozesses der Curriculumsentwicklung und Best Practices. Zu den Phasen 1-3 finden Sie zudem Material für die Methode der Curriculumwerkstatt.
Leitfaden: Curriculumentwicklung
Theoretischer Hintergrund:
In der ersten Phase steht die Analyse der aktuellen Herausforderungen und Bedarfe im Vordergrund, auf die der Studiengang eine Antwort geben soll. Es werden zentrale Fragen zur Ausrichtung des Studiengangs, den Anforderungen an zukünftige Absolvent*innen und den potenziellen beruflichen Tätigkeitsfeldern beleuchtet. Die gewonnenen Erkenntnisse bilden die Basis für die weitere Curriculumentwicklung.
Ziele:
- Gemeinsame Basis schaffen
- Zentrale Inhalte festlegen
Ergebnisse:
- Konsens über die Leitfragen, gemeinsame Grundlagen und Ausgangspositionen
Leitfragen:
- Was sind mögliche berufliche Tätigkeitsfelder?
- Wie wird das Thema des Studiengangs aktuell umgesetzt? Wie sollte es umgesetzt werden?
- Auf welche Bedarfe und Probleme ist der Studiengang eine Antwort?
- Welche Anforderungen und Erwartungen werden an spätere Absolvent*innen gestellt?
Theoretischer Hintergrund:
In dieser Phase wird das Absolvent*innenprofil des Studiengangs herausgearbeitet. Es werden die Kompetenzen festgelegt, die die Studierenden am Ende ihres Studiums erworben haben sollen. Dabei werden die Qualifikationsziele des Studiengangs definiert und die Lernziele in thematische Cluster geordnet, um ein umfassendes Kompetenzprofil zu entwickeln.
Ziele:
- Qualifikationsziele und Kompetenzbereiche festlegen
- Konkrete Learning Outcomes formulieren
Ergebnisse:
- Studiengangsprofil
- Kompetenzprofil
Leitfragen:
- Welche Lernergebnisse können für die Cluster festgelegt werden?
- Was sollen die Absolvent*innen am Ende des Studiums können?
- Welche Kompetenzen werden benötigt, damit die Absolvent*innen diesen Aspekt beherrschen?
- Wie lassen sich diese Kompetenzen zu thematischen Clustern zusammenfassen?
Theoretischer Hintergrund:
Die in den ersten beiden Phasen erarbeiteten Kompetenzen und Qualifikationsziele werden nun in eine vorläufige Modulstruktur überführt. Dabei wird analysiert, wie die Lernziele sinnvoll in einzelnen Modulen umgesetzt werden können und wie die Module aufeinander aufbauen, um einen logischen Studienverlauf zu gewährleisten.
Ziele:
- Das Kompetenzmodell in einen Modulkatalog überführen
- Sensibilisierung für studiengangsspezifische Zielsetzungen
Ergebnisse:
- Prototypischer Studienablaufplan
- Vorläufige Modulmatrix
Leitfragen:
- Wie können die Schwerpunkte und Synergien im Studiengang gestaltet werden
- Welche Kompetenzen werden benötigt, damit der/ die Studierende am Ende des Studiums die Qualifikationsziele erreicht?
- Wie kann das Studienmodell aussehen, damit die Ziele erreicht werden können?
Theoretischer Hintergrund:
In dieser Phase erfolgt eine Auswahl und Neugestaltung der Lehrveranstaltungen. Die Lehr-Lern-Ziele werden mit passenden Aktivitäten und Prüfungsformen verknüpft, um das Gesamtkonzept des Studiengangs im Sinne des Constructive Alignment abzurunden. Hierbei wird sichergestellt, dass alle Kompetenzziele des Studiengangprofils im Studienverlauf berücksichtigt werden und die Studierbarkeit des Programms gewährleistet ist.
Ziele:
- Lehrveranstaltungen und Modulzuordnung festlegen
- Lehr-Lern-Aktivitäten und Prüfungsformen abstimmen
Ergebnisse:
- Abgestimmtes Curriculum unter Einbezug der Lehrenden
Leitfragen:
- Welche vorhandenen Lehrveranstaltungen eignen sich, um die Qualifikationsziele zu erreichen?
- Wie können Lehrveranstaltungen innovativ und im Sinne des Constructive Alignment gestaltet werden?
- Wie können die Inhalte des Studiengangs aufeinander abgestimmt werden im Sinne einer besseren Studierbarkeit?
Theoretischer Hintergrund:
Mit der Implementierung des Curriculums beginnt die Evaluationsphase. Anhand geeigneter Evaluationsinstrumente, wie z.B. Befragungen von Studierenden und Lehrenden, wird die Umsetzung des Curriculums überprüft. Basierend auf den Ergebnissen werden mögliche Anpassungen vorgenommen, indem relevante Phasen des Entwicklungsprozesses erneut durchlaufen werden.
Ziele:
- (Re-)Evaluierung und Optimierung des Studiengangs
Ergebnisse:
- Identifizierung und Behebung von Schwachstellen durch Evaluationsmaßnahmen
Leitfragen:
- Ist auf Basis der Evaluationsergebnisse und Erfahrungen der Beteiligten eine (Um-)Gestaltung des Studiengangs und einzelner Lehrveranstaltungen notwendig?
- Wie kann diese (Um-)Gestaltung erfolgen?
Quelle: Bieber, M., Manukjan, A., Schleiss, J., Neumann, F., Pohlenz, P. (2023): Die Nutzung der Curriculumwerkstatt im Rahmen der Curriculumentwicklung: Leitfaden und Fallbeispiel. In: Handbuch Qualität in Studium, Lehre und Forschung, S. 97–118.
Begleitmaterial
Sie können das oben bereitgestellte Miro-Board oder einzelne Elemente aus diesem herauskopieren und für Ihre eigenen Curriculumwerkstätten anpassen und nutzen. Weiter unten finden Sie einen kurzen Leitfaden.
Best-Practice
Curriculumwerkstatt allgemein
Eine transparente und gut strukturierte Moderation ist der Schlüssel zu einem erfolgreichen Entwicklungsprozess. Um alle Beteiligten effektiv einzubinden, müssen Arbeitsaufträge präzise formuliert werden, sodass sie eigenständig nachvollzogen und bearbeitet werden können. Offene Kommunikation des Ablaufs, klare Erwartungsmanagement und eine zugängliche Dokumentation der Arbeitsergebnisse sind essenziell. Dies gewährleistet, dass auch Teilnehmende, die nicht bei allen Terminen anwesend sein können, den Fortschritt jederzeit nachvollziehen können.
Die Anzahl und Gestaltung der Curriculumwerkstätten sollten flexibel an den spezifischen Bedarf des Studiengangs und der Arbeitsgruppe angepasst werden. Da der Entstehungsprozess dynamisch verläuft, ist es ratsam, keine feste Anzahl an Terminen vorab festzulegen. Die Struktur der Werkstätten sollte flexibel gestaltet werden, um auf Gruppendynamiken und neue Erkenntnisse reagieren zu können. Regelmäßige Absprachen mit den Verantwortlichen und den Beteiligten sichern dabei den kontinuierlichen Fortschritt.
In interdisziplinären Teams erfordert die Abstimmung der Inhalte besondere Aufmerksamkeit. Die unterschiedlichen Fachkulturen und deren spezifische Ansätze müssen transparent kommuniziert und aufeinander abgestimmt werden. Erfahrungsgemäß sind mehrere Iterationsschleifen notwendig, um ein gemeinsames Verständnis und eine abgestimmte inhaltliche Ausrichtung zu erreichen. Diese Abstimmungsprozesse fördern die Integration vielfältiger Perspektiven und Fachkompetenzen.
Die Durchführung von Curriculumwerkstätten im Online-Format ermöglicht die Zusammenarbeit auch über räumliche Distanzen hinweg. Dabei ist es entscheidend, eine technische Einführung in die verwendeten Tools für kollaborative Arbeit zu geben und Möglichkeiten zum Kennenlernen der Teilnehmenden zu schaffen. Um die Arbeitsergebnisse zugänglich und nachhaltig zu sichern, sollten die erarbeiteten Inhalte in allgemein nutzbare Formate überführt werden.
Umsetzung und Qualitätssicherung
In dieser Phase ist es wichtig, den Studierenden einen sicheren Raum für Probleme und Anregungen zu geben.
Es hat sich als gewinnbringend herausgestellt, Rückmeldungen von Studierenden aber auch anderen Beteiligen wie Mentor*innen zu sammeln, zu bündeln und anschließend den Raum für ein gemeinsames Gespräch zwischen Studierenden, Lehrenden, SG-Verantwortlichen und Mentor*innen auf Basis der Ergebnisse aus den Rückmeldungen zu ermöglichen → Vorteil: Die Studierenden müssen ihre Kritik nicht direkt an z.B. Lehrende richten, zu denen sie in einem Abhängigkeitsverhältnis stehen.
Es ist wichtig die Befragungsergebnisse zurückzuspiegeln, um Änderungsprozesse zu ermöglichen und zu fördern.
Es kann sein, dass andere Studiengänge, die ebenfalls die Lehrveranstaltung nutzen, bei der Planung berücksichtigt werden müssen.
Hierbei ist es wichtig, in den Austausch mit Lehrenden und SG-Verantwortlichen zu treten.
Die Etablierung des neuen Studiengangs kann die Chance bieten, alte Muster zu überdenken eine Neugestaltung anzuregen und die Lehrveranstaltung zu optimieren.
Diese müssen in die gängigen Prozesse der jeweiligen Universitäten im Hinblick auf Gestaltung und Planung von Lehrveranstaltungen passen.
Die Planung neuer Lehrveranstaltung bietet die Chance, innovative Lehr-Lernkonzepte zu integrieren.
Quelle: Bieber, M., Manukjan, A., Schleiss, J., Neumann, F., Pohlenz, P. (2023): Die Nutzung der Curriculumwerkstatt im Rahmen der Curriculumentwicklung: Leitfaden und Fallbeispiel. In: Handbuch Qualität in Studium, Lehre und Forschung, S. 97–118.
Literatur
- Schleiss, J., Manukjan, A., Bieber, M. I., Pohlenz, P., & Stober, S. (2023). Curriculum workshops as a method of interdisciplinary curriculum development: A case study for artificial intelligence in engineering. In: Proceedings of the 51st Annual Conference of the European Society for Engineering Education (SEFI 2023): Engineering education for sustainability (S. 1180–1189). European Society for Engineering Education. https://doi.org/10.21427/xtae-as48
- Manukjan, A.; Bieber, M.; Schleiss, J. (2023): Über die Curriculumwerkstatt zum Curriculum. Betrachtung anhand eines neuen Studiengangs an der Schnittstelle zwischen Künstlicher Intelligenz und Ingenieurwissenschaften. In: Desel, J. & Opel, S. (Hrsg.): 10. Fachtagung Hochschuldidaktik Informatik (HDI) 2023. Online: https://delfi-tagung.de/fileadmin/FG/BBI/user_upload/6400_HDI_2023_-_Tagungsband_-_Broschuere_-_Innenseiten_-_DIN_A4_-_RZ_WEB.pdf (letzter Zugriff: 26.11.2025)
- Bieber, M.; Manukjan, A.; Schleiss, J.; Neumann, F.; Pohlenz, Ph. (2023): Die Nutzung der Curriculumwerkstatt im Rahmen der Curriculumentwicklung – Leitfaden und Praxisbeispiel. Handbuch Qualität in Studium, Lehre und Forschung – Berlin: DUZ Verlags- und Medienhaus GmbH, Bd. 84 (2023), S. 97-118.